Eine meiner Lieblingsgeschichten über Innovation beginnt mit etwas überraschend Alltäglichem: der Suche nach einem Parkplatz.
Jeder weiss, dass es einfacher ist, in einem leeren Parkhaus einen Parkplatz zu finden als in einem vollen. Je näher die Belegung an 100% kommt, desto unverhältnismässig schwieriger wird die Suche. Dieselbe Idee gibt es seit Langem in der Informatik. Wenn eine Datenbank immer voller wird, wird es ebenfalls zunehmend schwieriger, einen freien Platz für neue Daten zu finden.
Das ergab Sinn. Zumindest ergab es etwa 40 Jahre lang Sinn.
Dann kam Andrew Krapivin. Im Jahr 2021 betrachtete er als 21-jähriger Student ein Problem, von dem viele annahmen, es sei bereits verstanden.. Er ahnte nicht, dass es angeblich nicht wesentlich schneller ging. Also machte er es trotzdem.. Und zwar nicht nur ein bisschen schneller, sondern mehr als 100.000-mal schneller.
Krapivins Geschichte zeigt eine oft übersehene Gefahr von Patentliteratur. Patente werden häufig als wertvolle Quelle technischen Wissens beschrieben. Und das sind sie auch. Sie enthalten eine enorme Menge an Informationen, kreativen Ideen, technischen Einsichten und Signalen darüber, wohin sich Branchen entwickeln könnten.
Aber Patente enthalten auch Aussagen, die möglicherweise nicht wahr sind. Zum Zeitpunkt der Anmeldung wissen Anmelder oft noch nicht, ob ihre Ideen tatsächlich funktionieren, oder sie unterliegen einem Irrtum.
Daraus entsteht ein subtiles Risiko. Patentdaten können uns zeigen, was jemand glaubte, vorschlug oder für wahr halten wollte. Sie zeigen uns aber nicht immer, was tatsächlich wahr ist.
Erschwerend kommt hinzu, dass solche falschen Ideen wie ein Anziehungspunkt für neue Ideen wirken. Hat man einmal eine Lösung gesehen, fällt es schwer, noch wirklich ausserhalb des Rahmens zu denken.
Manchmal beginnt Innovation damit, dass jemand nicht weiss, was angeblich unmöglich ist. Was kann man aus Patentdaten nicht lernen? Mit einem unbeschriebenen Blatt anzufangen.
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